Duke Ellington Katalog: Bento serviert den "Duke" auf dem silbernen Tablett

Kunstkritiker im
Ruhestand und „Bento-
Meister“ Owen Findsen
Duke Ellington hat in seinem Leben mehr als 1000 Titel aufgezeichnet, von kratzigen Swing-Singles mitte der 20er Jahre bis hin zu Jazz-LPs in den frühen 70ern. Seine gesammelten Werke würden hunderte Audio-CDs füllen, eine unglaubliche Menge Musik. Es ist nicht einfach da den Überblick zu behalten, aber für einen passionierten Sammler wie Owen Findsen ist es das Höchste. „Wenn man all diese Aufnahmen ordnet und an einem Ort zusammenträgt, erkennt man Dinge, die man normalerweise gar nicht sieht“, sagt er. „So bekommt man einen tiefen Einblick in seine Laufbahn und seine Musik.“
Findsen organisiert seine Sammlung unter Verwendung einer umfangreichen Bento Datenbank, in die er alles eingibt, von einfachen Notizen bis hin zu Audiodateien. „Das ist etwas, das ich schon seit Jahren tun wollte, aber mir fehlte das richtige Programm zur Durchführung“, sagt er. „Mit Bento ist die Eingabe der verschiedenen Daten und Audiodateien ganz einfach.“
Sammlerleidenschaft trifft Organisationstalent
Findsen wurde bereits als Teenager zum Ellington Fan. „Mein Bruder stand auf Jazz, aber Ellington mochte er nicht“, sagt Findsen. „Da Ellington der Einzige war, für den er sich nicht interessierte, fing ich damit an.“ Bereits damals gab es eine Menge von Ellington. Der Meister des Jazz brachte sowohl unter seinem eigenen Namen, als auch unter diversen Pseudonymen, Platten heraus. Findsens Sammlung wuchs mit seiner Begeisterung. Dann fand der Jazz-Aficionado seinen Traumjob – Reporter für Kunst und Kultur bei einer großen amerikanischen Tageszeitung, dem Cincinnati Inquirer. Später wurde er dann Kunstkritiker und blieb 40 Jahre lang bei der Zeitung.
Vor sieben Jahren ging Findsen in den Ruhestand. Zu diesem Zeitpunkt entschloss er sich seiner beträchtlichen Sammlung die längst überfällige Aufmerksamkeit zu schenken. „Bei der Zeitung haben wir mit Mac gearbeitet, und ich habe immer Mac verwendet“, sagt er. „Ich hatte nach einer einfach zu handhabenden und anpassbaren Datenbank gesucht, und als Bento auf den Markt kam, habe ich auf Mac OSX 10.5 upgegraded und das Programm gekauft.“
In nur wenigen Minuten hatte Findsen seine Bento Datenbank aufgesetzt und bereits nach ein paar Stunden hatte er die Daten zu über 100 Songs eingegeben. Gar kein so geringes Unterfangen, wenn man bedenkt wie viele Informationen Findsen zu jeder Aufnahme besitzt. „Ich hab alle allgemeinen Daten eingegeben, wie die Titel der Songs und der Alben, aber auch Einzelheiten darüber welcher Musiker welche Solos spielte und wie oft die Band diesen Song aufgenommen hat“, sagt Findsen. Wenn man jetzt noch das Plattencover und die digitalen Audiodateien dazu nimmt, erhält man eine beeindruckende Datenbank.

Datenbank maßgeschneidert
Die Datenbank klingt überschaubar, aber hier ist der Clou: Ellington hat für verschiedene Plattenlabels denselben Song mehrfach aufgenommen. In manchen Fällen wurden die Songs sogar unter verschiedenen Namen aufgenommen. „Wenn man ein paar Compilations kauft, kommt man da leicht durcheinander“, meint Findsen. „So wurde zum Beispiel ‚Mood Indigo’ 15 oder 20 mal aufgenommen und jede Aufnahme fiel anders aus. Man muss es eben alles gut organisieren.“
Findsen änderte eine der Bento Vorlagen ab und erstellte daraus eine genau seinen Bedürfnissen entsprechende Datenbank. „Die Vorlagen haben mir sehr gut gefallen“, sagt er. „Sie bieten viele Möglichkeiten und bei Bedarf kann man seiner Datenbank ganz einfach weitere Felder hinzuzufügen.
Der ehemalige Kritiker hat bis jetzt über 700 Aufnahmen in seine Datenbank eingegeben. Darunter sind bekannte Songs, zweite Takes, überarbeitete Versionen und sogar ein paar von weit herkommende Mitschnitte, die Ellington im Ausland aufgenommen hat. Jeder Eintrag beinhaltet Liner Notes, Plattencover, Informationen über die Bandmitglieder und jetzt auch digitalen Ton.
Während ich Einträge eingebe, habe ich meinen Plattenspieler an den Computer angeschlossen, so ist, bis ich alle Notizen eingegeben habe, der Song auch aufgenommen“, sagt Findsen. „Jetzt kann ich mir die Songs direkt in Bento anhören. Das hilft mir die Duplikate, die zweiten Takes und Live-Aufnahmen zu erkennen.
Nicht zum ersten Mal hat Findsen versucht seine Plattensammlung zu sortieren, aber zum ersten Mal ist es ihm gelungen. „Vor Jahren hatte ich schon einmal versucht alles in eine herkömmliche Datenbank einzugeben, aber das hat überhaupt nicht funktioniert“, sagt er. „Am Ende hatte ich dieselbe Platte zehnmal aufgelistet und konnte nicht erkennen welche der Songs doppelt waren. Mit Bento habe ich alle Informationen parat, sogar den Song selbst. Ich kenne kein anderes Programm mit dem ich das tun könnte.“
Findsen schätzt, dass wenn er die ersten 25 Jahre von Ellingtons 50-jährigem Lebenswerk katalogisiert hat, seine Datenbank über 1000 Songs beinhalten wird. Was wird er mit all diesem detaillierten Material anfangen? „Wenn ich alles eingegeben habe, werde ich viele Dinge erkennen, die mir zuvor nicht aufgefallen sind“, sagt er. Seine Laufbahn begann mit der Erfindung des 78 min Aufnahmeverfahrens. Zu dieser Zeit musste er seine Kompositionen noch auf drei Minuten beschränken und seine Songs waren Haikus. Mit der Einführung der LP änderte sich der Stil seiner Kompositionen drastisch, da er jetzt ja viel mehr Zeit zur Verfügung hatte. Während dieser ganzen Zeit wechselten nicht nur die Mitglieder der Band, die ganze Welt änderte sich. Ich glaube ich werde dadurch die Sozialgeschichte der Welt in der er Musik schrieb und spielte besser begreifen.“
Der ehemalige Zeitungsmann spielt mit dem Gedanken ein Buch über Ellingtons Leben zu schreiben. Selbstverständlich wird er dazu die Daten aus seiner Bento Datenbank verwenden. „Ich stelle mir das Buch mehr als Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts vor, wobei Ellington und seine Zeitgenossen den zentralen Fokus bilden“, sagt er. „Sie waren ein Gruppe Musiker, zu jung um im Ersten Weltkrieg eingezogen zu werden und für den Zweiten Weltkrieg dann zu alt. Sie gehörten zu dieser Zwischengeneration, sie erlebten alles mit und ihre Musik wurde zum Soundtrack des Weltgeschehens. Wenn ich mich eines Tages dazu entschließe dieses Buch zu schreiben, dann wird meine Bento Datenbank mir eine unschätzbare Quelle an Information und Inspiration sein.“


